Mallorca - Ballermann und Tiefenrausch
Mallorca gilt nicht unbedingt als Traumziel für Taucher. Dabei hat die Insel unter Wasser einige sehr schöne Tauchspots und auch über Wasser viel mehr zu bieten als nur Ballermann und Sangria aus Eimern.
Tauchen kann man auf Mallorca grundsätzlich fast überall. Vor allem das Naturschutzgebiet um die Insel Dragonera im Westen der Insel geniesst einen guten Ruf. Aber auch an der Ostküste liegen einige schöne Tauchspots die einen Besuch wert sind.
Cala Ratjada und die Tauchbasis Mero Diving
Cala Ratjada liegt im Osten der Insel, ca. 70 Autominuten von Palma entfernt. Die Ortschaft bietet für jeden etwas, wer das Nachtleben im deutschen Biergarten sucht wird ebenso fündig wie Familien die es lieber etwas ruhiger haben. Sandstrände mit Flirtfaktor sind die Cala Agulla oder die Cala Mesquida. Wer wie ich lieber taucht und schnorchelt geht eher in eine der kleinen Felsbuchten wie zum Beispiel die Cala Lliteras. Und wenn man schon mal dort ist, kann man auch gleich noch bei der Basis von Mero Diving vorbei schauen, welche sich seit 1970 in der kleinen Bucht befindet.
Mero bietet neben Tauchkursen tägliche Ausfahrten mit dem basiseigenen Boot oder Tauchgänge von Land aus an. Durch die gute Lage in der Cala Lliteras sind die meisten Tauchplätze in weniger als 10 Minuten erreichbar. Die Infrastruktur der Basis ist gut, die angebotenen Mietausrüstungen sind in sehr gutem Zustand. Ein einzelner Tauchgang von Land aus kostet 36 Euro (bei eigener Ausrüstung), vom Boot aus sind 10 Euro mehr fällig. Bucht man im Voraus ist ein Tauchgang von Land aus gratis. In den Preisen inbegriffen ist eine 10er Flasche und das Blei. Wer eine grössere Flasche möchte, zahlt 3 Euro extra. In den meisten Fällen reichen die 10er aber locker für eine Stunde unter Wasser aus. Das Schlauchboot der Basis ist für ca. 12 Taucher ausgelegt, bietet einen Sonnenschutz und Ablagemöglichenkeiten für Ausrüstungskleinteile. Für die kurzen Anfahrszeiten mehr als genügend.
Unmittelbar über der Cala Lliteras befinden sich mehrere Hotelanlagen. Das Parque Nereida, in welchem wir unseren Urlaub verbrachten, ist der Bucht und somit der Basis am nächsten (Luftlinie 50 Meter), verfügt über eine schöne Bar mit AusblickZu in die Bucht, drei Swimmingpools für alle Altersklassen und einen Miniklub für den Nachwuchs. Das Hotel ist nicht mehr neu, aber es ist sauber und alles nötige ist vorhanden. Einziger Minuspunkt ist das Nachtessen am Hotelbuffet. Fans von frittierten Lebensmitteln kommen auf ihre Kosten, alle anderen suchen sich in Cala Ratjada lieber ein anderes Lokal. Zur Auswahl stehen einige, die Preise sind moderat und die Qualität in den meisten Fällen erstaunlich gut. Ein kulinarisches Highlight ist die Sa Cova Bar. Bequemerweise befindet sich diese ebenfalls in der Cala Lliteras, im selben Gebäude wie Mero. Vor allem Dienstag- und Sonntagabend sollte man sich in der Ferienagenda rot eintragen. Dann gibt es nämlich dort zu sehr moderaten Preisen BBQ und Paella à Discrétion. Ohne Reservierung läuft hier übrigens nichts, das Lokal ist jeden Abend sehr gut besucht.
Die Tauchplätze
Mero bietet gemäss eigenen Angaben mehr als 21 verschiedene Tauchplätze an. Ich habe davon vier gesehen und mindestend drei haben viel Abwechslung geboten. Die von Land aus betauchten Plätze gehen nicht tiefer als 18 Meter. Vom Boot aus war 26 Meter die tiefste Anzeige auf meinem Computer. Was an Vegetation vorhanden ist, ist Mittelmeertypisch, viel Neptungras und Felsen. Die sind dafür von Höhlen durchzogen oder öffnen sich zu Grotten in denen aufgetaucht werden kann. Mein erster Tauchgang führte zum "Kleinen Käse".
Kleiner Käse
Der Tauchplatz verdankt seinen Namen den vielen Löchern die sich in den Felsen befinden und an einen Emmentaler Käse erinnern. Die Durchgänge und Höhlen lassen sich in vielen Fällen durchtauchen. Seine Platzangst sollte man aber vor dem Tauchgang im Hotelzimmer deponieren, zum Teil gehe es recht eng zu und her. Die Durchgänge sind voll mit Fischen und Bärenkrebsen, in den Felsspalten lassen sich auch immer wieder Oktopusse und Anemonen finden. Die maximale Tiefe liegt hier bei 16 Meter.
Die Löwenkopfgrotte
Mein zweiter Tauchgang führte in die Löwenkopfgrotte. Die Anfahrt mit dem Tauchboot dauerte keine fünf Minuten, danach ging es mit einer Rolle rückwärts über die Gummiwulst ins Mittelmeer. Der Tauchgang führte zunächst in fünf Meter Tiefe in eine grosse Grotte, in welcher aufgetaucht werden konnte. Die Decke war voll mit kleinen Stalaktiten. Verlässt man die Grotte, befindet sich auf der rechten Seite ein Fels, der einem Löwenkopf gleichen soll. Den Felsen habe ich gesehen. Für den Löwenkopf reichte die Fantasie oder derTiefenrausch aber nicht aus. Der restliche Tauchplatz bot ausser zwei schönen Seesternen keine Highlights.
Cap des Freu
Zum dritten Mal ins Wasser ging es am Cap des Freu. Das Cap gehört zu einem 13 ha grossen Naturschutzgebiet und ist von der Cala Lliteras aus in 10 Minuten per Boot erreicht. Wir waren das einzige Boot vor Ort, was bei der Qualität des Tauchplatzes eigentlich erstaunlich ist. Unter Wasser liegen grosse Felsen mit Höhlen und Durchgängen, um die Felsen patrouillieren mehrere Barrakudaschwärme. In den Spalten und Höhlen entdeckten wir Bärenkrebse und Oktopusse. Die durchtauchten Höhlen waren mal wieder nichts für Klaustrophobiker, Spass gemacht hat es aber auf jeden Fall. Die 55 Minuten an diesem Tauchplatz vergingen auf jeden Fall wie im Flug.
La Mola
Der vierte und letzte Tauchgang war am Platz La Mola. Jamie fuhr uns mit dem Boot von der Cala Lliteras aus ca. 3 Minuten in Richtung offenes Meer. Dort angekommen erklärte er uns, dass sich unter uns ein Unterwasserberg befinde, dessen Spitze bis auf ca. 8 Meter hoch komme. Wir liessen uns ins Wasser plumpsen und gingen auf Erkundungstour. Der Berg war vor allem im oberen Teil mit Neptungras bedeckt. Über dem Gras standen die Barakkudas und Zackenbarsche. Auch hier hatte es natürlich wieder Grotten und betauchbare Durchgänge. In einem klebte ein schöner Bärenkrebs an der Decke. Alles in allem ein schöner, abwechslungsreicher Platz.
Fazit
Cala Ratjada bietet für Taucher einige schöne Plätze. Wer keinen reinen Tauchurlaub plant sondern neben Familien oder anderen Aktivitäten noch den einen oder anderen Tauchgang anhängen möchte, macht hier sicher nichts falsch. Wer nur für das Tauchen in den Urlaub fährt, findet aber auch im Mittelmeer Regionen die mehr Abwechslung bieten.
Für Wrackliebhaber ist die Region nicht zu zu empfehlen. Die einzigen Wracks, die ich entdeckte, lagen Morgens um 08.00 Uhr im Liegestuhl am Pool, waren maximum 25 Jahre alt und kamen vermutlich direkt aus dem Ausgang! :-)
Für Taucher interessant wäre allenfalls ein U-Boot - Wrack welches sich in der Region befindet. Dieses liegt aber auf etwas über 50 Meter und wird dementsprechend selten angefahren. Mero würde theoretisch auch Nacht- oder Höhlentauchgänge anbiete, dies aber nur bei genügend Interessenten.
Nach dem Tauchen spricht übrigens nichts dagegen, statt dem Dekobier mal ein Glas des spanischen Nationalgetränkes zu bestellen. Das gibt es auf Mallorca nämlich auch aus normalen Gläsern und nicht nur aus den vom Ballermann bekannten Kesseln!