, Kurz Simon

Kroatien - Lina - Mein Ferienflirt in Kroatien

Zugegeben - zu den Jüngsten gehört mein Ferienflirt nicht mehr, hat sie doch schon stolze 137 Jahre auf dem Buckel. Nachdem sie 102 davon auf dem Grund der Kvarner Bucht verbracht hat, ist sie auch optisch nicht mehr ganz taufrisch. Das macht sie zum Betauchen aber umso interessanter!

 

Weil ich im Frühling bereits eine Tauchwoche auf Ibiza verbrachte, waren für den Sommer Familienferien angesagt. Da nur eine Woche zur Verfügung stand und alle Familienmitglieder nach Badeurlaub am Meer schrien, fiel die Wahl auf die Insel Cres in Kroatien. Mit 870 Km Anfahrtsweg, der grösste Teil davon Autobahn, gut erreichbar. Über Rijeka, die Insel Krk und von dort aus noch mit einer kurzen Fährenüberfahrt erreichten wir nach gut 10 Stunden unser Urlaubsziel.

Auf der Insel

Als Unterkunft vor Ort entschieden wir uns für ein Mobil Home auf dem Campingplatz Kovacine. Der ganze Platz ist sehr gepflegt und grösstenteils bewaldet, die vorhandene Infrastruktur ist top. Für Gäste die mit Zelt, Wohnwagen oder Mobilhome nichts anfangen können, hätte es auf dem Areal auch noch ein kleines Hotel. Der Strand ist kroatientypischer Kies und relativ schmal. In den Sommermonaten wird es doch recht eng. Wer es etwas einsamer möchte, kann vor Ort ein Boot mieten und eine der kleinen Badebuchten der Insel aufsuchen.

In 15 Minuten Fussmarsch dem Meer entlang erreicht man den gleichnamigen Hauptort der Insel. Im Hafen von Cres laden unzählige Restaurants und Bars zum gemütlichen Essen und trinken ein. Nightlife wie z.B. in St. Tropez sollte man aber nicht erwarten.

Zufälligerweise befindet sich auf dem Campingplatz auch noch eine Tauchbasis, was bei meiner Buchung natürlich absolut keine Rolle gespielt hat...:-)

Die Tauchbasis "Diving Cres"

Die DivingCres gehört zur diving.de - Gruppe, die Angestellten vor Ort sprechen alle deutsch. Der Service war sehr angenehm, die Räumlichkeiten der Basis sind gut eingerichtet und zweckmässig. Die meisten Tauchgänge werden mit dem Boot durchgeführt.

 

Na ja, ein High-Speed-Boot ist es nun nicht gerade. Dafür hat es auf dem Oberdeck Liegestühle und Matratzen. Wenn die Anfahrt mal wieder etwas länger dauert, kommt man immerhin schön braun vom Tauchen zurück. Das Boot ist für maximal 12 Taucher ausgelegt, die Platzverhältnisse sind dadurch angenehm, Platzangst kommt definitiv nie auf.

Unmittelbar vor der Tauchbasis ist ein Hausriff vorhanden. Dort werden hauptsächlich Schulungs- und Nachttauchgänge durchgeführt. Man könnte - Buddy vorausgesetzt- auch auf eigene Faust Tauchgänge unternehmen. Da ich nur zwei Tauchgänge geplant hatte, fiel das Hausriff für mich leider aus.

Das Highlight - Wrack der Lina

Das Schiffswrack der Lina gilt als eines der schönsten Wracks in Kroatien. Diesen Ruf geniesst es sicher nicht zu unrecht!

Die Lina wurde 1879 in Newcastel/England gebaut. Als Stahldampfer gehörte sie zu einer damals neuen Generation von Schiffen, die die bis dahin für den Warentransport verwendeten Segelschiffe in Rente schicken sollten. Der Rumpf der Lina war zwar bereits aus Stahl, für einen grossen Teil der Aufbauten und die Decks wurde aber nach wie vor Holz verwendet. Zwischen 1879 und 1901 befuhr sie unter dem Namen Ville de Namour die Weltmeere. Danach fuhr sie für die italienische Reederei Adriatica hauptsächlich auf den Routen zwischen Mittelmeer und Nordsee. Am 14. Januar 1914 war sie unterwegs im Kanal zwischen Cres und der Küste von Istrien. Angeblich soll die Mannschaft im Nebel die Orientierung verloren und mit voller Wucht in ein Riff nahe des Kap Pecen auf Cres gekracht sein. Das Schiff mit seiner Ladung Mahagoni versank in einer kleinen Bucht ca. 50m südlich von Kap Pecen. Dort steht sie seither aufrecht auf sandigem Grund, der Bug in 27m, das Heck in 55m Tiefe. Mit 70m Länge und 9m Breite ein imposantes Zeugnis der Schifffahrtsgeschichte!

Die Anfahrt mit dem Tauchboot vom Campingplatz aus dauert 75 Minuten. Zeit, sich einige alte Zeitungsberichte zum Wrack anzuschauen und dem umfangreichen Briefing unseres Guides Denis zuzuhören. Am Tauchplatz angelangt, springen wir ins Wasser und folgen dem schräg abfallenden Grund. Die Sicht ist sehr gut, schon bald lassen sich die Umrisse der Lina in der Tiefe erahnen. In 27m treffen wir auf den Bug. Der Anblick des aufrecht stehenden Wracks ist der absolute Hammer. Wir tauchen über den Bug weiter Richtung der ehemaligen Aufbauten. Unmittelbar hinter dem Bug liegen zwei Admiralitätsanker auf dem Deck, der Klüver für die Bedienung der Anker steht gleich dahinter, mit Schwämmen bewachsen und von Fischschwärmen umkreist.

             

Wir tauchen weiter in Richtung der ehemaligen Aufbauten. Die Decks und ein grosser Teil der Aufbauten waren noch aus Holz und sind deshalb heute nicht mehr vorhanden. Dadurch sieht man in die leeren Frachträume. Auf ca. 32m erreicht man den ersten Ladebaum, an welchem sich alte Fischernetze verfangen haben. Weiter geht es in Richtung der ehemaligen Kommandobrücke, von der heute nur noch ein Ruderradgestell zeugt. Unmittelbar dahinter treffen wir auf einen Teil des  Schornsteins, der abgebrochen ist und heute quer auf Deck liegt. Der Schornstein markiert gleichzeitig die 40m Grenze für Sporttaucher, so dass wir leider dort umkehren müssen. Auf dem Rückweg tauchen wir unmittelbar vor dem Ladebaum in die ehemaligen Frachträume hinab. Da die Decksplanken fehlen, gelangt Tageslicht von oben hinein und man kann sie jederzeit wieder verlassen. Es wäre theoretisch auch möglich, in die alten Maschinenräume vorzudringen, Denis hat uns aber wegen den vorhandenen Sedimenten davon abgeraten.

      

      

Die Grundzeit ist leider viel zu kurz und viel zu schnell vorbei. Nach 10 Minuten geht es bereits wieder in Richtung Oberfläche. Der Felswand der Bucht entlang gelangen wir in 4m Tiefe zu einer kleinen Höhle, die sich als weiteres Highlight entpuppt. Erstens ist sie voller Drachenköpfe, zweitens sehr einfach zu betauchen und das Wasser innerhalb ist glasklar.

       

Nach etwas mehr als 50 Minuten klettern wir mit einem breiten Grinsen im Gesicht wieder auf unser Tauchboot. Die lange Anfahrt zur Lina hat sich definitiv gelohnt.