, Kurz Simon

Ägypten - Tauchsafari St. Johns - Tief im Süden

Herbstzeit ist Tauchsafarizeit. Nachdem letztes Jahr der Norden des Roten Meeres – Wracktour und Strasse von Tiran - auf dem Programm stand, war dieses Jahr der Süden dran. Ziel der Reise waren die Tauchplätze rund um die St. Johns Riffe, 210 Km oder 14 Stunden Fahrzeit südlich von Marsa Alam.

 

©Simon

 

 

 

Um der Reise den Touch von Abenteuer zu geben, entschloss sich ein Teil unserer Gruppe, nach Hurghada zu fliegen und den dreistündigen Transfer über die Küstenstrasse nach Port Ghalib zu machen. Wir wurden nicht enttäuscht, das Verhalten einiger Ägypter erinnert auch heute immer noch eher an Kamikaze-Angriffe als an Strassenverkehrsmanöver. Dafür sieht man unterwegs auch Bilder, die der normale Ägyptentourist eher selten zu Gesicht bekommt.

                                                            

 Trotz allem gesund und wohlbehalten – nur um einige graue Haare reicher – erreichten wir den Hafen von Port Ghalib, wo unser Boot, die Blue Seas, uns bereits erwartete. Eigentlich würde das Boot Platz für vierundzwanzig Taucher bieten. Da wir einen Vollcharter hatten, und der Preis mit achtzehn Reisenden kalkuliert wurde, waren wir aber nicht voll belegt. Unsere Gruppe umfasste neunzehn Teilnehmer, für mindestens fünf davon war es die erste Safari im Roten Meer.

Die Blue Seas gehört zur Blue Planet Liveaboards – Gruppe. Es ist nicht das luxuriöseste Schiff der Gruppe, lässt aber keine Wünsche offen. Die Kabinen bieten genügend Platz, zwei Sonnendecks laden zum Nickerchen ein und auch auf dem Tauchdeck herrscht selten ein Gedränge.

 

 

Kaum an Bord, legte die Blue Seas auch schon ab in Richtung Süden. Während wir Richtung St. Johns schipperten, führten unsere Guides, Kathi und Hassan, den üblichen Papierkrieg und die ersten Sicherheitsbriefings durch. Kathi informierte uns vor allem auch über die Wetteraussichten, welche leider nicht optimal waren. Starker Wind wurde vorhergesagt. Einerseits würde dadurch ein Teil der Riffe nicht betauchbar sein und andererseits wäre ein Gedrängel um die wenigen verfügbaren Nachtankerplätze absehbar. Da die meisten anderen Boote Port Ghalib erst am Freitag verliessen, hatten wir einen kleinen Vorsprung, was sich für den weiteren Verlauf der Reise als sehr positiv herausstellen sollte.

 

 

Nach einer unruhigen Nacht erreichten wir am anderen Morgen um 06.00 Uhr das Paradise Reef, einen der nördlichsten Tauchplätze der St. Johns Riffe, wo der Checkdive stattfand. Am Ende des Tauchganges fand das obligatorische Bojenschiessen statt. Das erklärte Ziel, dass die Bojen vor den Tauchern die Oberfläche erreichen, wurde nicht ganz überall erreicht.

Das Programm für die folgenden fünf Tage ist schnell zusammengefasst. Tagwache um 05.30 Uhr, erster Tauchgang um 06.15, Frühstück, zweiter Tauchgang 10.30 Uhr, Mittagessen, dritter Tauchgang 14.30 Uhr, Imbiss, vierter Tauchgang um 18.15 Uhr, danach Nachtesse, gemütliche Bier- oder Whiskyrunde auf Deck mit Lichterlöschen ca. um 22.00 Uhr. Am folgenden Morgen ging das Ganze wieder von vorne los. 

Wir betauchten in den ersten drei Tagen die Riffe Small Gotta, Big Gotta, Shaab Kentkana und Umm Charaim (Cave Reef) in der St. Johns – Gruppe. Danach ging es über die Fury Shoals wieder zurück in Richtung Marsa Alam. Das Wrack des Fischkutters vor Sernaka Island lag ebenso auf der Route, wie die Wracks des chinesischen Schleppers Tien Hsing, des alten Segelbootes vor Abu Galawa Soghayr und des ehemaligen Safaribootes Legend 1 vor Shaab Marsa Alam. Das Tauchen an den Riffen war extrem abwechslungsreich, Korallengärten und Steilwände wechselten sich ab mit Höhlen und Canyons. Die betauchten Wracks auf der Nordroute sind natürlich spektakulärer als die kleinen Wracks im Süden. Als Abwechslung zu den Korallengärten waren sie aber sehr willkommen.

 

 

 

Jeder Tauchplatz hielt eine andere Überraschung bereit. Am Small Gotta liessen sich in der Steilwand schöne Muränen finden, während draussen Makrelenschwärme vorbeizogen. Big Gotta hielt einen Schwarm Barrakudas bereit, Shaab Kentkana super schöne Korallenformationen und Umm Charaim natürlich die Höhlen, für welche die St. Johns – Riffe bekannt sind. Nur den grossen Haifischen waren die 30° Wassertemperatur auf 30m Tiefe anscheinend zu viel. Sie liessen sich leider nicht blicken.

Als Highlight begegneten wir am vierten Tag während dem Kreuzen von einem Riff zum nächsten zwei Walhaien. Die Crew machte sofort die Zodiacs bereit, damit wir mit den Giganten der Meere schnorcheln konnten.

 

Bis dahin waren wir an den meisten Riffen tagsüber das einzige Tauchboot vor Ort. Einzig an den Nachtankerplätzen hatte es manchmal zwei oder drei andere, was den Tauchbetrieb aber nicht gross beeinträchtigte. Das änderte sich, als wir am zweitletzten Tag das Elphinestone – Riff anliefen. Elphinestone ist bekannt für seine Grossfischbegegnungen, zumindest auf dem Papier. Gemäss unseren Guides lassen sich Haifische dort heutzutage nur noch selten blicken. Flossen haben wir dort schlussendlich tonnenweise gesehen. Leider keine Haiflossen, sondern nur solche von z.B. Mares, Scubapro usw.

Da Elphinestone auch für die Tagesboote von Marsa Alam aus zu erreichen ist, ist der Andrang entsprechend gross. Bei unserem ersten Tauchgang an der Ostseite waren vierzehn andere Boote vor Ort. Die Riffwand selbst ist zwar sehr schön, aufgrund des hohen Besucheraufkommens aber nichts, was ich wiederholen müsste.

Den letzten Tauchtag verbrachten wir in Marsa Shona. Dabei handelt es sich um eine Seegraswiese mit angrenzendem Korallengarten. In der Wiese sind immer wieder Schildkröten anzutreffen, der Korallengarten beherbergt unzählige Oktopusse. Alles in allem ein gelungener Abschluss der Tour.

 

 

Sind die St. Johns – Riffe die lange Anfahrt wert? Ja, unbedingt. Sie sind zwar nicht mehr so unberührt und einsam, wie es in den Tour-Werbungen versprochen wird, die Tauchplätze sind aber wirklich schön und abwechslungsreich. Es ist auch ein Erlebnis, wenn man über Nacht hinter einem Korallenriff vor Anker liegt und weit und breit kein Land und kein anderes Schiff zu sehen ist. Dieser Eindruck bleibt einem auf der Nordroute verwehrt, da dort praktisch immer in der Nähe des Festlandes geankert wird. Die Tauchplätze sind in der Regel nicht schwierig und können auch von Tauchern ohne Safarierfahrung problemlos betaucht werden. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Ägypter bewusst sind, welches Wunder der Natur sie mit dem Roten Meer vor ihrer Haustüre haben und dass sie es auch entsprechend Schützen und Pflegen. Und es bleibt auch zu hoffen, dass die Weltgemeinschaft in Zukunft mehr für den Schutz der Meere und Korallenriffe unternimmt, damit wir noch lange die Vielfalt der Unterwasserwelt geniessen können.